Klassische Akupunktur


Was ist Akupunktur?
Akupunktur als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist eine seit mehr als 2000 Jahren bewährte medizinische Heilweise, die durch das Nadeln spezifischer Punkte die körpereigene Heilungskräfte aktiviert und die Gesundheit erhält oder wiederherstellt.

Im Mittelpunkt dieses Medizinsystems steht die Vorstellung von einer im Körper fließenden Lebenskraft, auch Lebensenergie genannt, chinesisch Qi (gesprochen „Tschi“), auf deren Wirkung alle Lebensäußerungen beruhen. Wenn man gesund ist, fließt die Lebensenergie in Harmonie, die Funktionen der Organe sind kräftig und ungestört. Die Lebensenergie ist in ständigen Fluss, Veränderungen bewirkend. Auch die Funktionen innerer Organe wie Atmung, Verdauung, Körperabwehr und Muskelbewegungen werden von der Lebensenergie hervorgebracht. Ähnlich wie die Flüsse das Land durchziehen, ziehen Energiebahnen, Meridiane genannt, durch den Körper und versorgen ihn mit der lebensnotwendigen Energie. Auf diesen Leitbahnen liegen die Akupunkturpunkte, mit deren Hilfe man die Energieflüsse beeinflussen und regulieren kann.

Die Akupunktur ist in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Ländern Europas – noch nicht allgemein wissenschaftlich anerkannt. Allerdings fällt auf, dass sie aufgrund ihrer guten Ergebnisse bereits an fast allen Universitäten vor allem im Bereich der Schmerztherapie erfolgreich angewandt wird.

Akupunktur / TCM ist in China auch „Schulmedizin“
Im Westen spricht man über moderne westliche Medizin als Schulmedizin und die komplementäre (alt alternative) Medizin wird als nicht-schulmedizinisches Heilwesen angesehen.
Das Fundament einer chinesischen Akupunktur ist eine chinesische Diagnose als essentielle Grundvoraussetzung. Der Weg zu einer Diagnose ist in der chinesischen Medizin grundverschieden von dem Vorgehen in der heutigen westlichen Medizin. Der Arzt benutzt seine Sinne, um anhand der Symptome, den gestörten Funktionen von Organen, der äußeren Erscheinungen des Patienten und der äußeren Untersuchung zur Diagnose von Störungsmustern der Lebensenergie Qi in den einzelnen Meridianen und Organen zu einer Diagnose zu gelangen. Die Befunde bzw. die Symptomatik einer Funktionsstörung oder einer Erkrankung werden nach 8 klassischen diagnostischen Kategorien: Hitze – Kälte, Fülle – Leere, Außen – Innen, Yang – Yin analysiert. So entsteht eine Diagnose im chinesischen Sinne.
Einige Untersuchungsmethoden stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, so die Betrachtung der Hautfarbe, die Untersuchung der Zunge, sowie der Puls.

Zungendiagnostik
Die chinesische Schule weiß aus Zungenfarbe, -belag, -feuchtigkeit und –form viele Hinweise auf den Zustand der körperlichen und seelischen Befindlichkeit zu gewinnen.
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Pulsdiagnostik
Nach der TCM werden 6 verschiedene Pulslokalisationen an den Handgelenken ertastet und auf verschiedene Ausprägungen hin untersucht und bewertet.
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Aus Anamnese, Puls- und Zungendiagnostik erstellt der Arzt ein patientenspezifisches Disharmoniemuster, zu dem dann entsprechende Therapien passen. Die Behandlung wird individuell abgestimmt.


Die Behandlung
Zur Akupunkturbehandlung werden sehr dünne Nadeln in ausgewählte Punkte so gut wie schmerzfrei eingestochen, um das zuvor festgestellte Ungleichgewicht zu korrigieren. Je nach Erfordernissen werden ca. 6 bis 20 Nadeln verwendet. Die Patienten bleiben dann 20 – 30 Minuten, manchmal noch länger, liegen und lassen die „Nadelgefühle“ entwickeln. Auf Chinesisch „Shou Qi“ – Bewahren der Nadelgefühle.
Was spüre ich? – Chinesische „De Qi“ Gefühl oder Nadelgefühle
Während der Akupunktursitzung treten vielfältige Veränderungen im Körper auf. Diese lösen verschiedene Empfindungen und Gefühle aus: Der Einstich der Akupunkturnadeln führt zu einem kurzzeitigen Einstischschmerz, der meist hell und oberflächlich empfunden wird. Nach dem Nadeln der Akupunkturpunkte empfindet man häufig ein Schwere- und Druckgefühl an den Einstichstellen, das von den Chinesen De Qi Gefühl genannt wird. Selten tritt auch ein Gefühl einer leichten Elektrisierung auf. Dieses „Nadelgefühl“ kann unterschiedlich stark empfunden werden.
Nachdem die Nadeln für einige Minuten liegen, entspannt sich der Körper. Arme und Beine fühlen sich oft schwer an. Es tritt ein Gefühl stärkerer Präsenz auf. Häufig beginnt man, die Bewegung der Lebensenergie im Körper in Form eines Gefühls des Fließens wahrzunehmen. Zunächst ist dieses Fließen sehr zart, dann wird es meist langsam, nach einigen Sitzungen immer stärker und stärker. Am Anfang fließt es meist im Kopf von der Schädeldecke nach unten in den Hals und in den Brustkorb hinein. Später wird der Fluss auch in unteren Teil des Körpers deutlicher. Man verspürt ein Strömen der Lebensenergie vom Kopf über den Brustkorb, den Bauchraum, das Becken, in die Beine und schließlich in die Füße. Während der Akupunktur richtet man die Aufmerksamkeit nicht auf ein einzelnes Teilgebiet des Körpers, sondern beobachtet sanft den Gesamtfluss.
An der Schädeldecke liegt ein wichtiges Energiezentrum, von den Indern Kronencharka genannt, das für die Energien im Körper von großer Bedeutung ist. Die Aufmerksamkeit sollte immer wieder zu dieser Stelle zurückkommen, wo man häufig den Beginn des Fließens bemerkt. Immer wieder entspannt man sich während des Liegens der Akupunkturnadeln, indem man sich fallen lässt und nichts mehr „festhält“. Dadurch setzt die Entspannung ein.
Auch eine tiefere ruhige Atmung in den Brustkorb hinein mit einer längeren Phase der Ausatmung, bei der man alle Spannung loslässt, kann von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg sein. Die tiefe Atmung bringt vermehrt Sauerstoff und damit vermehrte Energie in den Körper. Die verlängerte Ausatmung löst Spannungen und führt zu einer Verbesserung des Energieflusses durch den Körper.

Wenn Spannungen sich lösen, können körperliche Empfindungen wie Zittern, Kribbeln, Kälte- oder Hitzegefühle oder Schwindel auftreten, aber auch Gefühle wie Wut, Unruhe, Traurigkeit oder Angst werden empfunden. Diese Empfindungen und Gefühle sind Ausdruck der Klärung der Spannungen und Blockaden, die oft der Krankheit zugrunde liegen. Gedanken können während der Akupunktur immer wieder aufkommen, man sollte nicht über deren Inhalte nachdenken, sich auch nicht auf bestimmte Gedankeninhalte konzentrieren, sondern die Gedanken wie einen Film vorbeiziehen lassen.

Wie viele Behandlungen werden benötigt?
Normalerweise gilt: je älter die Erkrankung, desto länger/häufiger muss der Patient behandelt werden. In der Regel werden 2 Akupunkturbehandlungen in der Woche durchgeführt, in Serien von 8 – 12 Behandlungen. Dann wird meist eine Pause von 2 – 3 Wochen eingelegt. Wenn der Therapieverlauf oder die Schwere der Behandlung es erforderlich macht, sind weitere Behandlungesserien erforderlich. 3 – 4 Monate nach Abschluss der Behandlung sind zur Auffrischung 2 – 4 Akupunktursitzungen zu empfehlen, die zur Stabilisierung des Heilerfolges beitragen. Bei erneutem Auftreten der Erkrankung nach Monaten oder Jahren, z.B. Migräne oder Lumboischialgie, sollte frühzeitig mit einer erneuten Akupunkturbehandlung begonnen werden, die in der Regel deutlich kürzer ist als der erste Behandlungszyklus.

Gibt es bei der Akupunktur Nebenwirkungen?
Eine fachgerecht durchgeführte Akupunktur hat keine Nebenwirkungen. Die Akupunktur setzt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, deren Aktivierung im Verlauf der Behandlung kurzfristig Symptome verstärken kann, die jedoch rasch wieder abklingen. Die Heilung verläuft von innen nach außen, so dass Ausscheidungen über Haut, Stuhl und Urin möglich sind. Meist tritt nach der Akupunktur eine angenehme Entspannung auf, manchmal ein Schlafbedürfnis. Bitte vermeiden Sie zwei Stunden vor und nach jeder Behandlung körperliche Anstrengung, üppige Mahlzeiten, Stress und sexuelle Aktivität.

Die wichtigsten Kontraindikationen
• Alle Erkrankungen mit unklarer Diagnose
• Infektiöse, fieberhafte, übertragbare Erkrankungen
• Schwere psychiatrische Erkrankungen und schwere Neurosen
• Krebsleiden (außer zur Schmerztherapie)
• Erkrankungen mit akuten chirurgischen Indikationen
• Intensivpflichtige Erkrankungen

   

©ad2009 ff. | Akupunktur | Privatpraxis Dr. Pavlina Raisl | Bad Aibling